Wenn Pluto, der Herr der Unterwelt, durch den Löwen zieht, betritt das Licht selbst die Dunkelheit. Der Gott der Verwandlung steigt in das Reich der Sonne – und prüft, was wahrhaft leuchtet. Hier wird Macht persönlich, Schöpfung wird Schicksal, das Ich wird zum Altar.
Inhaltsverzeichnis
Pluto im Löwen ist der Tanz von Glorie und Untergang, von Stolz und Demut, von Schöpferkraft und Selbstvergötterung. Das Feuer des Lebens brennt heller – und verzehrt zugleich, was sich zu sehr an seine eigene Flamme klammert.
In dieser Konstellation geht es um die Reinigung des Willens: das Loslassen des falschen Glanzes, um das echte Licht zu finden. Ganze Generationen lernen, was es heißt, „Ich“ zu sagen – und wie zerstörerisch das Ich werden kann, wenn es Gott spielen will.
Pluto im Löwen – Archetypische Bedeutung
Der Löwe ist das Zeichen der Sonne, des Herzens, der Kreativität, der Selbstverwirklichung. Er will strahlen, führen, gestalten, lieben.
Pluto aber bringt alles, was glänzt, in den Schatten – um seine Echtheit zu prüfen.
Wenn beide Kräfte aufeinandertreffen, wird das Ego zum Initiationsweg. Der Mensch erlebt die tiefste Krise seines Selbstverständnisses.
Das „Ich bin“ wird zur Prüfung: Ist dieses „Ich“ ein Werkzeug des Lebens – oder seine Fälschung?
Die lichte Seite: schöpferische Kraft, charismatische Führung, authentische Selbsterkenntnis, Mut zur Individualität.
Die Schattenseite: Größenwahn, Narzissmus, Missbrauch von Macht, kollektive Verblendung durch Charisma.
Pluto im Löwen ist der Schatten der Sonne – die Nacht, in der das Herz erkennt, dass es nicht allein leuchtet.
Kollektive Themen
1. Der Kult der Persönlichkeit
Wenn Pluto durch den Löwen zieht, wird das Individuum zum Mythos. Stars, Führer, Genies, Ikonen – der Mensch erhebt sich über die Masse. Ganze Kulturen beten das Charisma an.
Doch wo Bewunderung herrscht, wächst auch Manipulation. Der Führer wird zum Spiegel kollektiver Sehnsucht – und zum Opfer ihrer Projektionen.
2. Macht und Ego
Pluto prüft die Sonne: Welcher Wille ist rein, welcher verbrannt?
In dieser Epoche entstehen Ideologien, die das „Ich“ vergöttern: Führerkult, Heldenverehrung, der Glaube an den übermenschlichen Gestalter.
Aber auch: die Erkenntnis, dass wahre Macht nur durch Selbsterkenntnis entsteht.
3. Krieg der Egos – Feuer und Opfer
Pluto im Löwen bringt Epochen, in denen Stolz und Machtstreben ganze Nationen entflammen. Das kollektive Ego kämpft um Größe – und findet Tod.
Doch im Feuer der Katastrophe wird das Herz geläutert. Der Mensch erkennt, dass Stärke nicht Dominanz bedeutet, sondern Würde.
4. Geburt der kreativen Individualität
Neben Despotismus wächst in derselben Zeit das schöpferische Selbstbewusstsein: Künstler, Denker, Wissenschaftler – alle spüren den Drang, aus der Tiefe zu schöpfen.
Kunst wird existenziell, Ausdruck des inneren Feuers, das sich selbst erschaffen will.
5. Das Drama der Generation
Diese Generationen wollen besonders sein. Sie definieren sich über Ausdruck, Liebe, Schöpfung. Doch Pluto zwingt sie, hinter das Theater des Lebens zu sehen – dorthin, wo der Applaus verstummt.
Was bleibt, wenn die Bühne leer ist? Nur das Licht, das von innen kommt.
6. Liebe, Leidenschaft, Verlust
Der Löwe liebt groß, leidenschaftlich, theatralisch. Pluto macht daraus ein Sakrament. Beziehungen werden Prüfungen, Liebe wird Machtspiel oder Opfer.
Wo Eros lodert, lauert Thanatos. Und in der Asche der verbrannten Liebe erwacht das Herz neu – wahrhaftig.
7. Kinder, Jugend, Zukunft
Der Löwe herrscht über das Kind, Pluto über Tod und Wiedergeburt. In diesen Zeiten wird das Thema Kindheit radikalisiert: verlorene Jugend, ideologische Erziehung, kollektive Opfer der Unschuld.
Doch aus der Zerstörung erwächst das Bewusstsein: Die Zukunft ist heilig.
8. Die Wandlung des Schöpfers
Pluto im Löwen verwandelt das Ego des Künstlers in das Herz des Schöpfers. Nicht mehr das Ich, sondern das Leben selbst will sich ausdrücken. Der Mensch lernt, Kanal zu sein – nicht Herr.
Bildhafte Verdichtung
Eine Bühne in Flammen. Ein Schauspieler steht mitten im Feuer, das Gesicht erleuchtet, die Hände ausgestreckt. Das Publikum ist verschwunden. Er sieht, dass die Flammen ihn nicht vernichten – sie verbrennen nur die Maske. Unter der Asche beginnt etwas zu glühen: ein Herz, ruhig, unerschütterlich, golden.
Pluto im Löwen: Historische Beispiele
1939–1957 – Die Generation der Sonne und des Schattens
Plutos letzter Transit durch den Löwen fiel in die Nachkriegszeit: den Wiederaufbau, den Beginn des Atomzeitalters, die Explosion des Individualismus.
Nach der Dunkelheit des Krebses (Heimat, Verlust) kam das Aufbäumen des Lebens. Die Welt wollte wieder strahlen. Filmstars, Rock’n’Roll, Jugendkultur, Rebellion – der Mensch feierte sich selbst.
Doch unter der Oberfläche arbeitete Plutos Tiefe: Kalter Krieg, Diktaturen, Atombombe – der Schatten des heroischen Zeitalters.
Die 1940er bis 1950er brachten den Konflikt zwischen Macht und Moral, zwischen Schöpfung und Zerstörung. Ein Jahrhundert, das sich selbst zum Gott erklärte – und an dieser Größe zu ersticken drohte.
1694–1712 – Barocke Glorie und Untergang
Ein früherer Zyklus brachte die Pracht des Absolutismus: Sonnenkönige, Opern, Architektur als göttliches Schauspiel. Doch kurz darauf – Kriege, Hungersnöte, Revolutionen.
Der Glanz des Hofes war nur die Bühne für den Zusammenbruch.
1450–1468 – Renaissance der Persönlichkeit
Leonardo, Michelangelo, Botticelli – der Mensch entdeckt sich als göttliches Geschöpf. Kunst, Wissenschaft, Schöpfung – alles strahlt. Doch der Glanz ist kostspielig: Machtkämpfe, Intrigen, Blut.
Wo das Ich göttlich wird, beginnt der Schatten des Stolzes.
In allen Zyklen dasselbe Muster: der Aufstieg des Individuums – und seine Läuterung durch das Feuer der eigenen Schöpfung.
Quintessenz
Pluto im Löwen ist die Prüfung des Lichts. Er fragt: Was in dir leuchtet wirklich – und was will nur gesehen werden?
Er zerstört den falschen Glanz, damit das wahre Feuer geboren wird. Er lehrt, dass Stolz nicht Sünde ist, wenn er aus Liebe kommt, und dass Macht nicht Fluch ist, wenn sie dem Leben dient.
Dieser Transit verwandelt Eitelkeit in Würde, Selbstbehauptung in Kreativität, Egoismus in Selbstbewusstsein.
Wenn Pluto durch den Löwen zieht, stirbt der König in seiner Krone – und wird als Sonne wiedergeboren.
So spricht Pluto im Löwen:
„Strahle – aber wisse, wessen Licht du trägst.
Denn jede Sonne hat ihren Schatten,
und nur wer ihn kennt,
kann wirklich leuchten.“








