Wenn Pluto, der Gott der Unterwelt, in das Reich der Fische eintritt, taucht der Schatten ins Meer zurück, aus dem alles Leben einst kam. Es ist die letzte Station des Zyklus, der Punkt, an dem das Ich sich auflöst und das All wieder zu sich selbst findet.
Der Gott des Todes zieht durch das Zeichen der Erlösung – und verwandelt Ende in Anfang.
Inhaltsverzeichnis
Pluto in den Fischen ist kein Aufstand, kein Beben, kein Feuer. Es ist das leise, alles durchdringende Auflösen. Die Grenzen zwischen Leben und Tod, zwischen Körper und Seele, zwischen Mensch und Gott beginnen zu schmelzen.
Diese Epoche ist wie Nebel über einem Meer: schön, unheimlich, endlos. Sie bringt die Wiederverzauberung der Welt – aber auch die Gefahr des kollektiven Ertrinkens im Unbewussten.
Hier endet der Kreis der Macht – und beginnt der Kreis des Mitgefühls. Pluto in den Fischen ist die Rückkehr in das große Ganze, der Moment, in dem die Menschheit ihre eigene Tiefe wieder spürt – oder an ihr zerbricht.
Pluto in den Fischen: Archetypische Bedeutung
Die Fische sind das Zeichen des Ozeans, der Auflösung, der Spiritualität, der Transzendenz. Sie stehen für das Unbewusste, das Mitleid, die Sehnsucht, den Traum, die Hingabe.
Pluto hingegen ist das Prinzip der Konfrontation mit dem Verdrängten, des Todes und der Transformation.
Wenn diese beiden Kräfte sich in Pluto in den fischen vereinen, löst sich das Feste auf. Pluto dringt in die unermesslichen Tiefen der Seele ein. Er zerstört die Illusion des Getrenntseins. Was in anderen Zeichen als Machtkampf oder Revolution erschien, wird hier mystisch – subtil, seelisch, endgültig.
Die lichte Seite: spirituelle Erneuerung, kollektives Mitgefühl, Heilung durch Vergebung, die Wiedervereinigung von Mensch und Natur.
Die Schattenseite: Flucht in Illusion, religiöse Hysterie, Massenpsychosen, süchtig machende Eskapismen, Opferkult.
Pluto in den Fischen ist das Wasser, das reinigt – und ertränkt.
Kollektive Themen
1. Die Auflösung der Formen
Wenn Pluto das letzte Zeichen durchquert, lösen sich die Strukturen der alten Welt auf. Grenzen, Institutionen, Identitäten, Systeme – sie beginnen zu verschwimmen.
Was bleibt, ist das Gefühl. Die Menschheit erkennt, dass ihre Trennungen Illusion waren. Doch in dieser Erkenntnis lauert auch Chaos: Ohne Form verliert das Leben Orientierung.
2. Das Erwachen des kollektiven Unbewussten
In dieser Zeit steigen Träume, Visionen, Ängste aus der Tiefe. Das Unbewusste der Menschheit wird bewusst.
Mythen kehren zurück, Religionen erwachen, neue spirituelle Bewegungen entstehen. Aber auch Täuschungen, Gurus, Heilsversprechen.
Pluto prüft, ob der Mensch bereit ist, Gott zu begegnen – nicht in der Kirche, sondern im eigenen Inneren.
3. Das Ende der Religionen – oder ihre Wiedergeburt
Pluto im Fische-Zeichen zerstört den alten Glauben, um den wahren Geist freizulegen.
Dogmen zerfallen, Kirchen verlieren Macht, spirituelle Systeme lösen sich in Erfahrung auf.
Doch in der Auflösung entsteht etwas Neues: eine Mystik ohne Grenzen, eine Religion der Verbundenheit, in der das Göttliche in jedem Atem wohnt.
4. Das Wasser der Heilung
Die Fische regieren Mitgefühl, Medizin, Kunst und Musik – all das wird unter Pluto zu Werkzeugen der Erlösung.
Kollektive Heilprozesse beginnen: psychologisch, ökologisch, spirituell. Krankheit wird nicht mehr als Feind verstanden, sondern als Botschaft.
Die Menschheit sucht nicht mehr nach Macht, sondern nach Ganzheit.
5. Eskapismus und Auflösung der Realität
Doch wo die Grenzen verschwimmen, droht der Verlust des Realen.
Pluto im Fische-Zeichen bringt auch Flucht, Drogen, digitale Scheinwelten, kollektive Abhängigkeiten.
Man verwechselt Gefühl mit Wahrheit, Traum mit Realität, Heilung mit Rausch.
Diese Epoche verlangt seelische Reife – sonst ertrinkt der Geist in seiner eigenen Tiefe.
6. Ökologische und ozeanische Reinigung
Die Fische sind das Element Wasser selbst. Unter Plutos Einfluss wird der Planet zu seiner eigenen Taufe gezwungen.
Meere, Klima, Biosphäre – alles, was Leben trägt, wird gereinigt oder gerächt.
Pluto in den Fischen ist das Rückfließen der Elemente: das Meer holt zurück, was ihm gehört.
7. Kunst, Vision und Musik der Tiefe
Wie in jeder Fische-Zeit wird die Kunst wieder sakral. Musik, Film, Dichtung – sie sprechen von Sehnsucht, Schmerz, Verbundenheit.
Die Ästhetik wird nicht mehr rational, sondern mystisch. Kunst wird Medizin, Poesie wird Gebet.
8. Auflösung des Individuums
Die letzte Lehre Plutos ist das Ende des Egos. Was vorher als „Ich“ galt, löst sich im Ozean des Ganzen auf.
Der Mensch entdeckt, dass er nicht getrennt ist von dem, was er fürchtet. Er stirbt – und bemerkt, dass nichts stirbt.
Bildhafte Verdichtung
Ein Ozean unter einem grauen Himmel. Auf der Oberfläche treiben die Trümmer einer untergegangenen Stadt: Bücher, Masken, Werkzeuge.
Unter ihnen, in der Tiefe, leuchtet ein schwaches Licht.
Ein Mensch taucht hinab, tiefer und tiefer, bis er erkennt: Das Licht ist kein fremdes Feuer – es ist sein eigenes Herz, das im Wasser weiterbrennt.
Pluto in den Fischen – Historische Beispiele
1798–1822 – Das Ende einer Welt
Plutos letzter Durchgang durch die Fische markierte das Ende einer Ära: die letzten Krämpfe der alten Monarchien, das Nachglühen der Revolutionen, der Beginn der Romantik.
Europa war erschöpft vom Blut der Aufstände. Die Menschen suchten Sinn im Gefühl, in der Kunst, in der Sehnsucht nach dem Unendlichen.
Goethe schrieb den Faust, Beethoven komponierte seine späten Sonaten, Turner malte das Licht, das sich im Nebel auflöst.
Die Welt zog sich zurück in ihre Seele. Rationalismus und Fortschritt waren gescheitert; der Mensch suchte Trost im Traum.
Diese Epoche zeigte, wie Pluto in den Fischen wirkt: nicht mit Lärm, sondern mit Stille. Die alten Götter sterben – und ihre Schatten werden zu Liedern.
1532–1553 – Reformation und Rückkehr zur Mystik
Nach der Spaltung der Kirche (Pluto im Schützen und Steinbock) kam die Sehnsucht nach Einheit. Mystische Strömungen, Spiritualität jenseits der Dogmen, Kunst als Gebet – der Geist kehrte zurück in den Schoß des Unbewussten.
Vorherige Zyklen
In den früheren Fische-Perioden finden wir stets dieselbe Bewegung: Erschöpfung nach großen Kämpfen, Rückzug, Verinnerlichung, spirituelle Wiedergeburt.
Was die Welt zerstört hat, wird nun verziehen.
Quintessenz
Pluto in den Fischen ist der letzte Atemzug der alten Welt – und der erste der neuen.
Er nimmt, was hart ist, und macht es flüssig. Er löst die Macht auf, bis nur noch Bewusstsein bleibt.
Er führt die Menschheit durch den Ozean der Tränen – nicht, um sie zu ertränken, sondern um sie zu reinigen.
Hier endet der Weg von Herrschaft und Wille, hier beginnt das Zeitalter des Mitgefühls.
Der Mensch lernt, dass Erlösung nicht in der Flucht liegt, sondern in der Hingabe. Dass man nicht herrschen kann über das, was man liebt.
Wenn Pluto durch die Fische zieht, stirbt die Welt – aber nicht in Feuer, sondern in Licht.
Die Menschheit verliert sich, um sich wiederzufinden – als Teil des großen Atems des Lebens.
So spricht Pluto in den Fischen:
„Löse dich – nicht, um zu verschwinden,
sondern um alles zu werden.
Ertrinke – nicht im Tod,
sondern im Unendlichen.
Denn das Ende ist nur die Welle,
die zum Meer zurückkehrt.“








