Martin Bormann zählt zu den ungewöhnlichsten Figuren der NS-Führung: ein Mann ohne öffentliche Präsenz, ohne Charisma, ohne politische Bühne – und dennoch eine der zentralen Schaltstellen der Macht. Er war weder Redner noch Ideologe, weder militärischer Führer noch Visionsträger. Seine Bedeutung entstand im Verborgenen, im Raum der Abläufe, der Akten, der Organisationen. Während andere Funktionäre sich über Repräsentation definierten, entstand sein Einfluss durch Nähe, Struktur und die Kontrolle von Information.
Seine Karriere führte ihn aus einfachen sozialen Verhältnissen über landwirtschaftliche und administrative Tätigkeiten direkt in den Kern der Parteimaschinerie. Dort übernahm er zunächst unscheinbare Aufgaben, bevor er nach dem Englandflug Rudolf Heß’ im Jahr 1941 jene Rolle übernahm, die seinen späteren Einfluss begründete: die Leitung und Neuordnung der Parteikanzlei sowie die Kontrolle sämtlicher Zugänge zu Hitler.
Wie verlief sein Werdegang?
Bormann war kein früher Ideologe und kein politischer Kopf der Bewegung. Sein Werdegang wurde stattdessen durch eine besondere Mischung aus Ausdauer, Belastbarkeit und funktionaler Anpassungsfähigkeit bestimmt. Er arbeitete dort, wo andere sich zurückzogen, und erfüllte Aufgaben, die niemand anders übernehmen wollte. Seine Stärke lag in der Fähigkeit, Systeme stabil zu halten und Entscheidungsprozesse zu strukturieren – eine Kompetenz, die im sich radikalisierenden Führerstaat zum entscheidenden Instrument wurde.
Mit der Zeit entwickelte er sich zu der Person, die Hitlers Alltag ordnete: Er verwaltete die Termine, kontrollierte die Post, entschied über Zugänge und formte damit letztlich auch die Wahrnehmungswelt des Diktators. Diese Form von Macht war nicht glänzend, aber effektiv. Sie beruhte nicht auf Ämtern, sondern auf Nähe; nicht auf öffentlicher Autorität, sondern auf funktionaler Unersetzlichkeit.
Warum ist sein Horoskop interessant?
Das Horoskop Bormanns eröffnet eine Perspektive, die über die historische Biografie hinausreicht. Es zeigt eine Persönlichkeit, die weniger von individueller Gestaltungskraft geprägt ist als von struktureller Einbindung. Mehrere markante Signaturen verweisen auf frühe Brüche, fehlende väterliche Stabilität, ein unscharfes Selbstbild und eine starke Orientierung an äußeren Ordnungssystemen. Besonders die Kombination aus Saturn und Chiron im Steinbock im 11. Haus macht sichtbar, wie tief die Themen Autorität, Zugehörigkeit und Pflichtgefühl in seiner Biografie verankert waren.
Hinzu kommen eine robuste, ausdauernde Grundenergie (Mars im Stier), ein distanziertes emotionales Profil (Mond und Aszendent im Wassermann) sowie eine Identität, die eher in Anpassung als in Abgrenzung entsteht (Sonne-Neptun). Diese astrologischen Strukturen spiegeln genau jene Eigenschaften, die es ihm ermöglichten, in einem totalitären System jene Rolle einzunehmen, die am Ende mehr Macht besaß als formale Ämter: die Verwaltung des Machtkerns.
Weshalb lohnt sich die Analyse?
Das Horoskop liefert keine moralische Erklärung, aber ein psychologisches Verständnis. Es zeigt, warum Bormann keine charismatische Führungsfigur werden konnte – und warum gerade diese Abwesenheit ihn im innersten Kreis so wirkungsvoll machte. Sein Einfluss entstand aus Funktionsstärke, aus Kontinuität, aus struktureller Anpassung. Die astrologischen Signaturen helfen, diese Dynamik sichtbar zu machen, ohne sie zu mystifizieren. Sie beschreiben eine Persönlichkeit, die in autoritären Systemen nicht trotz, sondern wegen ihrer Unauffälligkeit zur Schlüsselgestalt werden kann.
1. Der psychologische Grundtypus: Martin Bormann, der Funktionär ohne Zentrum

Die Persönlichkeit, die sich hier zeigt, ist kein „Täter-Gen“, kein dämonischer Sonderfall, sondern der Bauplan eines Menschen, der sich über Struktur definiert, nicht über sich selbst. Ein Charakter, der sich nicht in Menschen verankert, sondern in Abläufen, Regeln, Systemen. Und genau dadurch wird er in bestimmten historischen Kontexten unfreiwillig mächtig.
Strukturelle Identität statt persönlicher Identität
Das Fundament besteht aus Distanz. AC Wassermann und der Mond im Wassermann im ersten Haus erzeugen eine Grundhaltung, die emotional dünn, kühl und analytisch wirkt. Das ist kein Mangel an Gefühl im moralischen Sinn, sondern eine Art funktionaler Selbstdistanz. Der Mensch erlebt sich selbst wie ein Werkzeug: nützlich, wirksam, aber ohne inneren Mittelpunkt. Diese innere Distanz hat einen Vorteil und einen Nachteil. Der Vorteil: Man ist unbestechlich von persönlicher Eitelkeit. Der Nachteil: Es gibt kaum Bindung, kaum Selbstbezug, kaum inneres Korrektiv.
Man funktioniert – man lebt nicht.
In ruhigen Zeiten kann so jemand völlig unauffällig wirken. In Krisenzeiten wird daraus die unsichtbare, aber stabile Achse eines Systems.
Das Ego im Nebel: Sonne in Zwillinge, Konjunktion Neptun
Die Sonne in den Zwillingen bringt Beweglichkeit und technische Neugier. Aber Neptun nimmt der Sonne ihre Kontur. Was bleibt, ist ein Ich, das sich gern an Formen andockt, die stärker sind als es selbst. Ein Mensch mit dieser Konstellation sucht nicht „Selbstverwirklichung“. Er sucht Rollen. Aufträge. Kollektive Identität.
Er arbeitet mit Informationen, weil Informationen ihm Stabilität geben, nicht Bedeutung.
Er verwaltet Strukturen, weil Strukturen ihm Form geben, nicht Sinn.
Es gibt hier keine innere Vision – nur äußere Orientierung.
Die Achse der Pflicht: Sonne Opposition Saturn
Dieser Aspekt ist die innere Bremse und gleichzeitig die innere Disziplin. Die Sonne möchte ausdrücken, gestalten, kommunizieren.
Saturn sagt: nein.
Saturn sagt: funktioniere.
Mit Saturn im 11. Haus ist diese Pflicht nicht privat, sondern kollektiv. Es geht immer um das große Ganze, um Organisationen, um Systeme, um Zusammenhalt der Gruppe – nicht aus Idealismus, sondern aus Identifikation mit der Struktur. Saturn schneidet die Kreativität ab und ersetzt sie durch Verantwortung. Das führt zu einem Menschen, der sein Selbstwertgefühl fast ausschließlich aus seiner Funktion bezieht.
**Pflicht ist Identität.
Struktur ist Heimat.**
Das verkapselte Innenleben: Venus und Merkur im Krebs, Haus 6
Hier sitzt das, was unter anderen Umständen Wärme geben könnte. Aber im 6. Haus wird der Krebs in Routine gepresst. Gefühle werden nicht gelebt – sie werden verwaltet. Zuneigung wird zu Aufgabe. Privates wird zu Pflicht.
Martin Bormann führte ein Familienleben nicht aus Nähe, sondern aus Loyalität, Pflicht und Regelhaftigkeit. Und jede emotionale Spannung löst er nicht durch Nähe, sondern durch Distanz:
– Briefe statt Gespräche
– Papier statt Körper
– Denken statt Fühlen
Es ist ein funktionaler Umgang mit emotionalen Bedürfnissen: nüchtern, kontrolliert, abgetrennt vom eigenen Innenleben.
Mars im Stier im 3. Haus und die körperliche Zähigkeit
Mars im Stier im 3. Haus beschreibt eine Energieform, die nicht auf Bewegung oder Dynamik setzt, sondern auf Ausdauer und Widerstandsfähigkeit. Bei Bormann zeigte sich dies in einer bemerkenswerten körperlichen Robustheit, die er trotz einer ausgesprochen ungesunden Lebensweise aufrechterhielt. Martin Bormann rauchte exzessiv, aß schwer, trank regelmäßig hochprozentigen Alkohol und bewegte sich kaum, arbeitete jedoch über Jahre hinweg in einem Rhythmus, der kaum Unterbrechungen kannte.
Das 3. Haus verankert diese Energie im alltäglichen Funktionieren: lange Arbeitsphasen, stundenlanges Aktenstudium, ununterbrochene Routinetätigkeit, ein gleichmäßiger, monotone Belastung gut vertragender Arbeitsstil. Seine körperliche Zähigkeit entsprang weniger Vitalität als einer starren Grundkraft, die Routine nicht nur aushielt, sondern stabilisierte. Der Körper wurde zu einem Mittel der Funktion, nicht zu einem Objekt der Pflege. Genau dieses Muster erklärt, weshalb Martin Bormann die enormen Belastungen seiner Position über so lange Zeit tragen konnte.
Das ist der Mensch, der sich durch Papierberge frisst wie ein Presslufthammer. Nicht impulsiv – konsequent. Nicht hektisch – monoton hartnäckig.
Er arbeitet nicht schnell, aber er hört auch nicht auf.
Diese Form von Energie macht aus ihm keinen Anführer, aber einen überlegenen Verwaltungsapparat. Und Verwaltung ist Macht – oft mehr als Reden oder Repräsentieren.
Die systemische Überhöhung: Jupiter-Uranus am MC
Das ist die öffentliche Rolle.
Jupiter macht die Aufgabe groß.
Uranus macht den Aufstieg abrupt.
Schütze macht ihn ideologisch.
Hier wächst das Gefühl, eine historische Mission zu erfüllen – nicht als Person, sondern als Funktion. Es ist das typische Muster eines Menschen, der an den Schaltstellen von Systemen sitzt und sich selbst als Teil eines größeren Prozesses begreift.
**Er will nicht Macht.
Er will Bedeutung durch Funktion.**
Fazit des ersten Teils: Der Funktionärstypus
Dieser Persönlichkeitstyp ist kein Einzelfall. Er findet sich überall dort, wo Systeme hochkomplex sind und Menschen funktionieren müssen, ohne eigenes Zentrum. Er braucht klare Strukturen, um sich stabil zu halten, und er gleicht fehlende emotionale Tiefe durch unermüdliche Arbeit, Pflichtgefühl und Distanz aus.
2. Die Jugend und die frühen Prägungen
Der frühe Lebensweg Martin Bormanns bildet das Fundament für jene Persönlichkeit, die später eine der ungewöhnlichsten Rollen im innersten Machtkern des Regimes einnehmen sollte. Seine Jugend war weder außergewöhnlich noch aufschlussreich im offensichtlichen Sinn, doch rückblickend zeigt sich, dass die Kombination aus familiären Brüchen, fehlender emotionaler Stabilität und zunehmender Orientierung an äußeren Strukturen jene Art Charakter formte, die in autoritären Systemen besonders wirksam wird.
Bormann verlor seinen leiblichen Vater früh. Die Figur, die diesen Verlust hätte auffangen können, bot keinen Halt: Das Verhältnis zum Stiefvater blieb gespannt, distanziert und von einem Mangel an verlässlicher Zuwendung gekennzeichnet. In seinem Horoskop spiegelt sich dies deutlich in Saturn im Steinbock im 11. Haus, ergänzt durch Chiron im gleichen Zeichen und Haus. Diese Kombination deutet auf einen frühen, tief verankerten Bruch im Verhältnis zu Autorität und Zugehörigkeit hin. Autorität erscheint nicht als Stütze, sondern als Härte, Distanz oder Abwesenheit. Gleichzeitig entsteht das Gefühl, in Gruppen keinen natürlichen Platz zu finden. Man funktioniert, erfüllt Erwartungen, übernimmt Verantwortung – doch innere Verbundenheit stellt sich nicht ein.
Diese doppelte Signatur aus Saturn und Chiron beschreibt eine Persönlichkeitsdynamik, in der die Suche nach Orientierung nicht über Menschen erfolgt, sondern über Strukturen. Ein Kind, das in einer solchen Konstellation aufwächst, neigt dazu, aus Pflichtgefühl Identität zu gewinnen und aus Anpassung Stabilität zu ziehen. Beziehungen werden unsicher erlebt, Systeme dagegen berechenbar. Genau diese Verschiebung prägt Bormanns späteres Verhältnis zu Organisationen, Rollen und Befehlsstrukturen.
Parallel dazu formte die einfache wirtschaftliche Herkunft seine frühen Jahre. Körperliche Arbeit, begrenzte Mittel und ein Alltag ohne nennenswerte Perspektiven vermittelten früh, dass Anerkennung nicht über Individualität erreicht wird, sondern über Verlässlichkeit. Sein Radix zeigt mit Mars im Stier eine robuste, ausdauernde Grundenergie, die Belastung eher erträgt als reflektiert. Die späteren Gewohnheiten – intensives Rauchen, schwere Kost, wenig Bewegung – lassen sich als Fortsetzung eines Lebens verstehen, in dem der Körper primär funktionale Rolle hatte: ein Werkzeug, das laufen soll, nicht ein Bereich, der gepflegt wird.
In dieser Kombination entwickelte sich kein ausgeprägtes persönliches Selbstbild. Die astrologische Sonne–Neptun-Konstellation deutet auf eine Identität hin, die wenig Kontur besitzt und sich eher in äußeren Formen orientiert als an inneren Zielen. Dazu kommt die emotionale Distanz von Mond und Aszendent im Wassermann, die Nähe erschwert und funktionale Bindungsmuster begünstigt. Wo andere durch Kameradschaft, handwerklichen Stolz oder persönliche Ambition Halt finden, entsteht bei ihm eher eine Bereitschaft, sich anzupassen, Aufgaben zu übernehmen und sich in Arbeitsabläufe einzufügen.
Diese Struktur erklärt, warum die wachsende NSDAP für ihn attraktiv wurde – nicht als ideologische Heimat, sondern als funktionales Gefüge. Die Partei bot eine klare, hierarchische Ordnung, definierte Rollen, steigende Anforderungen und einen stabilen Platz für jemanden, der Ausdauer besaß, aber keine starke persönliche Agenda. In dieser Umgebung konnte er erstmals fest verankert arbeiten, ohne die Instabilität privater Bindungen zu spüren. Die Partei ersetzte jene Form von Zugehörigkeit, die ihm im familiären Umfeld gefehlt hatte.
So entstand eine Persönlichkeit, die sich nicht über Eigeninitiative definierte, sondern über Funktion. Er suchte Sicherheit in äußeren Strukturen, nicht in Beziehungen; Loyalität galt nicht Menschen, sondern Systemen; und Verantwortung wurde zu dem Mittel, mit dem er die innere Leerstelle, die Chiron und Saturn markieren, stabilisieren konnte. Damit war bereits in der Jugend der Grundstein gelegt für jene Rolle, die ihn später unentbehrlich machte: nicht die eines Anführers, sondern die eines funktionalen Zentrums.
3. Der Wendepunkt: Der Englandflug von Rudolf Heß und Bormanns Aufstieg
Eine strukturelle Lücke entsteht
Der 10. Mai 1941 markiert einen Moment, der in der Rückschau weit größer wirkt als zu seiner Zeit: Rudolf Heß’ eigenmächtiger Flug nach England. Die Szene wirkt bis heute wie eine Mischung aus politischer Tragödie und persönlicher Verirrung, doch ihre Wirkung innerhalb der NS-Führung war eindeutig. Durch sein Verschwinden entstand eine organisatorische Leerstelle im Machtapparat, die formal nie neu besetzt wurde. Genau diese Leerstelle öffnete sich für Martin Bormann – nicht als Ergebnis eines Wettbewerbs, sondern weil die Struktur jemanden brauchte, der ohne eigene politische Agenda Aufgaben übernahm, die zentral, aber unbeliebt waren.
Heß hatte als Stellvertreter Hitlers eine unübersichtliche Mischung aus administrativen, politischen und organisatorischen Pflichten getragen. Sein Abgang riss diese Aufgaben aus dem Verband, ohne dass ein neuer Stellvertreter ernannt wurde. Damit entstand ein Raum, der für ehrgeizige, profilierte Funktionäre zu vage, zu arbeitsintensiv und zu riskant war. Bormann dagegen passte genau in dieses Muster: Er arbeitete zuverlässig, war ausdauernd, loyal im funktionalen Sinn und frei von dem Bedürfnis, eine sichtbare Machtposition einzunehmen.
Vom Verwalter zum Scharnier
In den Monaten nach dem Englandflug übernahm Bormann Schritt für Schritt jene Aufgaben, die zuvor an Heß gebunden gewesen waren. Diese Entwicklung verlief ohne große öffentliche Aufmerksamkeit und ohne offiziellen Titel, aber sie veränderte das Machtgefüge im inneren Zirkel nachhaltig. Er entschied, welche Informationen Hitler erreichten, strukturierte die interne Kommunikation und baute die Parteikanzlei zu einer zentralen Schaltstelle aus. Sein Einfluss erwuchs nicht aus einem einzelnen Ressort, sondern aus der Position zwischen allen Ressorts.
Der entscheidende Punkt ist, dass Bormann nicht um Macht kämpfte, sondern sie übernahm, weil sie liegen geblieben war. Während Goebbels, Himmler und Göring ihre etablierten Rollen beibehielten und weiterhin um Hitlers Gunst konkurrierten, füllte Bormann den Raum, den keiner von ihnen wollte oder konnte: den unsichtbaren Kern der täglichen Organisation. Seine Stärke lag darin, den innersten Verwaltungsbetrieb zu strukturieren und aufrechtzuerhalten – eine Funktion, die im Kriegsverlauf immer wichtiger wurde.
Die Entwicklung einer unersetzlichen Rolle
Je länger er in dieser Position arbeitete, desto stärker verschmolzen die Abläufe der Parteikanzlei mit seiner Person. Bormann wurde zum Filter aller Vorgänge, die Hitler betrafen, und bildete damit die Brücke zwischen dem Diktator und der Umgebung, die ihn politisch, organisatorisch und privat umgab. Er war kein Ratgeber, kein Stratege und kein ideologischer Motor, sondern jene Figur, die den Apparat zusammenhielt. Seine Unauffälligkeit wurde zur Stabilität. Seine Distanz wurde zur Zuverlässigkeit. Und seine fehlende persönliche Agenda machte ihn zum idealen Träger einer Rolle, die nicht von Visionen, sondern von Struktur lebte.
Dieser Übergang markiert den Moment, in dem Bormanns Einfluss begann, den der bekannteren Spitzenfunktionäre zu überlagern. Nicht, weil er spektakulärer arbeitete als sie, sondern weil er jene Zone kontrollierte, die in einem zunehmend zentralisierten System die größte Bedeutung hatte: den direkten Zugriff auf den Mittelpunkt der Macht.
Bormanns Verhältnis zur Kirche
Bormanns ausgeprägte Feindseligkeit gegenüber der katholischen Kirche war kein politischer Nebenschauplatz, sondern ein beständiger Bestandteil seines Denkens und Handelns. Seine Rolle im NS-Staat war nicht nur administrativ, sondern auch ideologisch geprägt durch einen Misstrauenskomplex gegenüber Institutionen, die über den Einzelnen und auch über den Staat hinausreichen. Das Horoskop liefert hierfür eine Struktur, die diese Haltung plausibel macht, ohne sie zu determinieren.
Die Kombination aus Saturn und Chiron im Steinbock im 11. Haus verweist auf einen tief sitzenden Bruch im Verhältnis zu Autoritäten und zu übergeordneten Gemeinschaftssystemen. Autorität wird in dieser Konstellation nicht als Schutz oder Orientierung erlebt, sondern als distanziert, unzugänglich oder fordernd. Eine hierarchisch stark ausgeprägte Institution wie die katholische Kirche, deren Selbstverständnis sich auf Unfehlbarkeit, Tradition und transzendente Geltung stützt, berührt genau jene Punkte, an denen diese Signatur am empfindlichsten ist. Die ablehnende Haltung ist daher weniger eine Frage persönlicher Überzeugung als ein strukturelles Muster: Die Kirche verkörperte eine Form von Autorität, die er biografisch nie kennengelernt hatte und der er deshalb zutiefst misstraute.
Hinzu kommt die Sonne-Neptun-Konjunktion, die häufig ein ambivalentes Verhältnis zu Glaubenssystemen hervorbringt. Sie erzeugt eine Mischung aus Sehnsucht nach Halt und gleichzeitigem Unvermögen, sich in ein geschlossenes metaphysisches System einzufügen. Anstatt nach Zugehörigkeit zu suchen, entsteht ein Impuls, solche Systeme zu negieren oder zu bekämpfen. Unterstützt wird dies durch den Wassermann-Mond und den Wassermann-Aszendenten, die emotionale Distanz und ein rationalisiertes Weltbild fördern, aber kaum Zugang zu religiöser Symbolik oder traditioneller Spiritualität besitzen.
Kirchenhaß und Christenverfolgung: Ein seltenes Feld eigener Initiative
Bemerkenswert an Bormanns antikirchlicher Haltung ist, dass sie zu den wenigen Bereichen gehörte, in denen er eine eigene Agenda entwickelte, die über seine übliche Funktionsrolle hinausging. Während er in den meisten politischen Fragen als reiner Organisator agierte und kaum persönliche Zielsetzungen verfolgte, trat er gegenüber der katholischen Kirche mit einer Härte und Konsequenz auf, die ungewöhnlich deutlich auf eine innere Überzeugung hindeutet. Seine Memoranden, Erlasse und Einflussnahmen zielten darauf, den Einfluss kirchlicher Einrichtungen systematisch zurückzudrängen, kirchliche Netzwerke zu schwächen und den Staat als alleinige moralische und soziale Autorität zu etablieren.
Gerade in diesem Feld zeigte sich, dass seine sonstige Rolle als nüchterner Verwaltungsleiter eine ideologische Schärfe aufnehmen konnte, die er in anderen Bereichen vermied. Mehrfach musste Hitler selbst eingreifen, um seine Maßnahmen abzumildern oder zu verzögern, sei es aus taktischen Erwägungen, aus Rücksicht auf die militärische Lage oder aus Angst vor innenpolitischen Spannungen. Diese Eingriffe zeigen, dass Bormanns Eifer in diesem Bereich stärker war als die offizielle Linie, die das Regime nach außen vertreten wollte.
Politisch wirkte dieses Verhalten nicht als impulsive Initiative, sondern als konsequent verfolgtes Ziel innerhalb seines Verantwortungsbereichs. Strukturell stand dahinter jedoch dieselbe Logik, die sein Horoskop anzeigt: Misstrauen gegenüber transzendenten Autoritäten, ein inneres Bedürfnis nach Kontrolle über kollektive Zugehörigkeit und die Tendenz, Stabilität ausschließlich in staatlich-politischen Strukturen zu suchen. Die Kirche bildete für ihn damit nicht nur einen Machtkonkurrenten, sondern eine Projektionsfläche jener Autorität, die ihm biografisch entzogen gewesen war und die er im politischen Raum nur in streng hierarchischer, weltlicher Form akzeptierte.
In dieser Gesamtkonstellation erscheint Bormanns Antikirchlichkeit nicht als zufälliger Zug oder persönliche Marotte, sondern als Ausdruck einer tief verwurzelten Skepsis gegenüber übergeordneten Autoritäten. Die Kirche stand damit exemplarisch für jene Form von Ordnung, die seinem frühen Erleben widersprach und die er später politisch zu begrenzen suchte.
4. Warum Bormann Goebbels, Himmler und Göring ausmanövrierte
Der Aufstieg Martin Bormanns innerhalb der NS-Führung ist nur verständlich, wenn man ihn im Verhältnis zu jenen Männern betrachtet, die scheinbar über ungleich größere Machtmittel verfügten. Goebbels beherrschte die Propaganda, Himmler kontrollierte ein gewaltiges Repressionsapparat, Göring stand an der Spitze der Luftwaffe und verfügte über immensen politischen Einfluss. Und doch gelang es ausgerechnet dem unscheinbaren, öffentlich kaum präsenten Bormann, sie alle nach und nach an den Rand zu drängen. Diese Dynamik hat weniger mit klassischen Machtkämpfen zu tun als mit der spezifischen Art, wie Bormann funktionierte – und wie die anderen es nicht taten.
Goebbels lebte von Bühne, Wirkung und Resonanz. Seine Karriere basierte auf Wahrnehmung, auf Präsenz, auf der ständigen Bestätigung durch das Publikum und durch Hitler selbst. Himmler wiederum bewegte sich in seinem eigenen ideologischen Kosmos, getragen von einem starken Bedürfnis nach geistiger Überhöhung und historischer Mission. Göring schließlich verkörperte den Typus des selbstinszenierten Machtpolitikers, der Anerkennung, Prestige und äußere Größe als Fundament seiner Rolle benötigte. Alle drei verband, dass sie nach außen wirkten und nach innen bestätigt werden wollten. Sie waren Persönlichkeiten mit Agenda, Selbstbild und ausgeprägter Bedürfnislage.
Bormann war das Gegenteil davon. Er suchte keine Bühne, keinen Applaus, keinen persönlichen Glanz. Seine Rolle bestand nicht darin, sich darzustellen, sondern darin, Abläufe zu steuern. Während die anderen Spitzenfunktionäre durch ihr eigenes Ego begrenzt waren – durch Narzissmus, Selbstüberschätzung, Unsicherheiten oder ideologisches Verhaftetsein –, war Bormann in gewisser Weise frei davon. Er brauchte nichts, außer der Möglichkeit zu arbeiten. Er hatte keine ausgeprägten emotionalen Erwartungen an Hitler, kein Bedürfnis nach enger persönlicher Bindung und keine Vision, die ihn in Konkurrenz zu anderen gebracht hätte. Gerade diese Abwesenheit eines persönlichen Machtentwurfs machte ihn langfristig überlegen.
Sein Einfluss speiste sich nicht aus einem einzelnen Ressort, das er leitete, sondern aus der Fähigkeit, den gesamten Kommunikationsfluss innerhalb des Regimes zu ordnen. Er bestimmte, wer mit Hitler sprach, welche Informationen ihn erreichten und in welcher Form. In einem System, das zunehmend auf die Wahrnehmung eines einzigen Mannes zusammenfiel, bedeutete Kontrolle der Kommunikation Kontrolle der Macht selbst. Und diese Kontrolle konnte nur aus dem direkten Umfeld Hitlers heraus ausgeübt werden – dort, wo politische, organisatorische und persönliche Sphären ineinander übergingen. Kein anderer Spitzenfunktionär besetzte diesen Raum mit solcher Konsequenz.
Am Ende seines Aufstiegs war er der einzige, dessen Einfluss unmittelbar davon abhing, wie der Alltag im Zentrum des Systems funktionierte. Die anderen Minister und Funktionäre konnten ihre Macht in der Krise verlieren – und verloren sie auch. Bormann dagegen blieb, weil seine Rolle an der Schnittstelle zwischen Hitler und dem gesamten Machtkörper lag, an einem Punkt, den niemand anderes besetzen konnte. Es war der stille, aber logische Sieg eines Mannes, der nicht an sich selbst arbeitete, sondern an den Strukturen, durch die Macht fließt.
5. Die Ironie des Niedergangs: Wie Bormanns Einfluss wuchs, während das Reich zerfiel
Je weiter der Krieg voranschritt und je deutlicher die militärische Lage des Regimes sich verschlechterte, desto stärker verschoben sich die internen Machtverhältnisse im Führungszentrum. Während die Strukturen des Staates, der Partei und der Armeen zunehmend zerfielen, gewann Bormann in genau dem Bereich an Bedeutung, der vom äußeren Niedergang zunächst unberührt blieb: der schmalen, abgeschotteten Zone unmittelbar um Hitler. Dieser Bereich schrumpfte zwar räumlich, aber er konzentrierte die Entscheidungsgewalt immer stärker. Und genau in dieser Verdichtung lag Bormanns Vorteil.
Totalitäre Systeme reagieren auf äußeren Druck selten mit Offenheit oder Reform, sondern fast immer mit einer Verengung ihrer inneren Entscheidungsprozesse. Je mehr das äußere Territorium schwindet, desto mehr verdichtet sich die Macht im Kern. Aus einer weiten, komplexen Struktur wird ein enger Machtkorridor, durch den nur noch wenige Personen hindurchpassen.
In den letzten Kriegsjahren war dieser Korridor auf wenige Menschen reduziert, und Bormann gehörte zu denen, die am weitesten vorn standen. Er war nicht nur der Organisator des Parteiapparats, sondern der Mann, der den täglichen Ablauf im Führerhauptquartier steuerte – ein Bereich, der zunehmend die einzig relevante Schaltstelle wurde.
Wachsende Macht in schrumpfenden Raum
Hitlers Welt wurde Schritt für Schritt kleiner. Die politischen und militärischen Ebenen verloren an Bedeutung, weil sie kaum noch Handlungsspielräume hatten. Die Ministerien versanken in Rivalitäten, die Wehrmacht war überfordert, das Reich schrumpfte. Doch im innersten Zirkel blieb Arbeit übrig: die Verwaltung von Hitlers Wahrnehmung, die Koordination seiner Entscheidungen, die Organisation seines Tagesablaufs. In diesem Mikrokosmos, der sich auf Bunker, Führerhauptquartiere und wenige Räume reduzierte, funktionierte Bormann ohne Einbruch weiter. Er war derjenige, der jeden Besuch regelte, jeden Bericht sortierte, jede Nachricht kontrollierte, jedes Gespräch vorstrukturierte. Je kleiner die Welt wurde, desto mehr entsprach sie seiner Arbeitsweise.
Während Göring an Bedeutung verlor, Himmler seine Versuche, den Krieg diplomatisch zu beenden, immer isolierter verfolgte und Goebbels zunehmend in propagandistischen Appellen verharrte, blieb Bormann der einzige, der im Zentrum reine Funktionsarbeit leistete. Seine Macht beruhte nicht auf den Institutionen des Reiches, die überall zerfielen, sondern auf dem einen Prozess, der bis zum Ende existierte: dem täglichen Zugriff auf Hitler.
In einem fast wörtlichen Sinn wurde er zum letzten Filter eines Systems, das keine äußeren Stabilitäten mehr besaß. Er war die Person, die weiterhin Ordnung schuf, während der Rest im Chaos versank – nicht, weil er über besondere Autorität verfügte, sondern weil er den einzigen Raum bewohnte, der im Niedergang stabil blieb.
Machtapparat im Leerlauf
Diese Konstellation erzeugt den paradoxen Eindruck, dass sein Einfluss gerade dann am stärksten wurde, als die reale Macht des Regimes nahezu verschwunden war. Je geringer der äußere Handlungsspielraum, desto größer die Bedeutung der internen Routinen. Je weniger das Reich existierte, desto wichtiger wurden die wenigen Personen, die Hitlers unmittelbare Umgebung strukturierten. Bormann wurde damit zum funktionalen Mittelpunkt einer Macht, die praktisch keinen Außenraum mehr hatte. Er kontrollierte nicht mehr ein großes Staatssystem – er kontrollierte den letzten funktionierenden Mechanismus innerhalb eines kollabierenden Apparats.
Sein Einfluss in den letzten Wochen und Tagen ist daher nicht Ausdruck persönlicher Stärke oder politischer Weitsicht, sondern das logische Ergebnis einer Struktur, die sich beim Zusammenbruch nach innen krümmt. Wer in einem solchen System Zugang zum innersten Kern hatte und ihn organisierte, wurde zwangsläufig mächtiger, auch wenn das System selbst längst ohne Zukunft war. Bormanns Aufstieg im Niedergang ist damit nicht nur ein historisches Paradox, sondern ein Beispiel dafür, wie Macht in extremen politischen Krisen ihre Form verändert – von expansiver Kontrolle zu konzentrierter Filterung, von öffentlicher Autorität zu privater Schnittstelle.
Als das äußere System schließlich zusammenbrach und die letzten Funktionsräume verschwanden, wurde sichtbar, wie eng seine Identität mit der Struktur verbunden gewesen war, die er über Jahre stabilisiert hatte. Der Weg in die Flucht aus der Reichskanzlei und sein späterer Tod markieren nicht nur das Ende eines politischen Lebens, sondern auch das Ende einer Rolle, die ohne den umgebenden Apparat nicht bestehen konnte. Genau dieser Punkt bildet den Abschluss jeder Analyse seiner Persönlichkeit und seiner astrologischen Signatur.
Schlussreflexion
Der Lebensweg Martin Bormanns zeigt auf ungewöhnlich klare Weise, wie eine Persönlichkeit, die selbst kaum nach außen tritt, in bestimmten politischen Konstellationen eine zentrale Rolle einnehmen kann. Sein Einfluss beruhte nicht auf persönlicher Ausstrahlung, nicht auf ideologischem Feuer und nicht auf institutioneller Größe, sondern auf der Fähigkeit, Strukturen zu stabilisieren und Abläufe zu kontrollieren. In einem System, das sich zunehmend um die Wahrnehmung eines einzigen Mannes drehte, wurde diese ruhige, belastbare und beinahe unsichtbare Form von Macht zum entscheidenden Faktor.
Der Niedergang des Regimes veränderte an seiner Stellung wenig. Während territoriale Verluste, militärische Katastrophen und politische Spannungen den äußeren Rahmen auflösten, blieb der innere Kreis um Hitler der letzte Raum politischer Handlungsfähigkeit. Bormanns Einfluss stieg in dem Maß, in dem die äußeren Funktionen verschwanden. Seine Rolle als Filter, Organisator und Verwalter wurde nicht geschwächt, sondern gestärkt, weil genau diese Art von Funktion im Endstadium eines totalitären Systems zur zentralen Schaltstelle wird.
Dass dieser Weg schließlich in der Flucht aus der zerstörten Reichskanzlei endete, verweist auf die enge Bindung zwischen seiner Identität und der Struktur, in der er gearbeitet hatte. Als die Räume verschwanden, die er über Jahre organisiert und geordnet hatte, verschwand auch der letzte Rahmen, der seinem Handeln Bedeutung gab. Der Bruch war nicht psychologisch, sondern strukturell: Mit dem Verlust des Systems verlor er den Ort, in dem seine Funktion existieren konnte.
Bormanns Entscheidung, die Zyankalikapsel zu benutzen, fügt sich in diesen Kontext ein. Sie ist kein dramatischer Akt, sondern ein letzter Schritt innerhalb einer Logik, die sein ganzes Berufsleben geprägt hatte. In dem Moment, in dem der Apparat endete und kein Funktionsraum mehr übrig blieb, löste sich auch der Rest seiner Rolle auf. Der Tod war kein Höhepunkt und keine Inszenierung, sondern ein konsequenter Abschluss eines Weges, der vollständig an eine politische Struktur gebunden gewesen war. Sein Ende markiert weniger einen persönlichen Zusammenbruch als das Auslaufen einer Funktion, die nur innerhalb des Systems existieren konnte, das sie getragen hatte.
Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung seines Profils: Es zeigt, wie eng Persönlichkeiten und politische Systeme ineinander greifen können – und wie ein Mensch, der sich selbst vollständig in einer Rolle verankert, mit ihr verschwindet, sobald der Rahmen zerfällt, der diese Rolle überhaupt erst ermöglicht hat.








