Friedrich Merz ist zurück. Formal mächtig, medial präsent, innerparteilich durchgesetzt. Und trotzdem haftet ihm etwas an, das sich schwer abschütteln lässt: der Eindruck, dass dieser Mann immer gegen einen bereits geschlossenen Vorhang antritt. Friedrich Merz Horoskop erzählt genau diese Geschichte.
Nicht die eines Aufsteigers, nicht die eines Visionärs, sondern die eines Machtmenschen, dessen innerer Takt nicht mehr mit dem politischen Zeitgeist synchron läuft. Während Angela Merkel mit ihrer Krebs-Strategie die CDU entkernt, beruhigt und in die Mitte verschoben hat, versucht Merz Jahre später, Kontrolle, Klarheit und Autorität zurückzuholen. Doch der Raum, in dem diese Qualitäten einst wirkten, existiert so nicht mehr.
Merz wirkt wie ein Mann, der weiß, was Macht ist, der sie will und der sie auch tragen könnte – aber zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Spielregeln bereits verändert haben. Seine Rhetorik ist schärfer als das Umfeld, seine Konfliktbereitschaft größer als die Aufnahmefähigkeit des Systems. Das erzeugt Spannung, aber kaum Resonanz.
Ohne bekannte Geburtszeit lässt sich kein vollständiges Radix mit Häusern und Achsen zeichnen. Und doch offenbart bereits die Zeichen- und Aspektstruktur seines Horoskops ein klares Muster: Skorpion-Verdichtung, Machtanspruch, innere Härte, kombiniert mit einem ungelösten Bedürfnis nach Anerkennung und Bühne. Es ist das astrologische Porträt eines Mannes, der führen will – in einer Zeit, die Führung anders definiert.
Dieser Artikel ist kein politisches Urteil und keine Parteikritik. Er ist der Versuch, mithilfe astrologischer Struktur zu verstehen, warum Friedrich Merz so wirkt, wie er wirkt. Und warum sich bei vielen das Gefühl einstellt, dass er nicht falsch ist – sondern zu spät.
1. Der Rückkehrer ohne Momentum
Friedrich Merz ist kein politischer Anfänger und kein Zufallsprodukt. Er ist jemand, der Macht will, Macht versteht und Macht aushält. Und dennoch wirkt sein Comeback merkwürdig spannungslos. Präsenz ist da, Autorität wird behauptet, doch die Resonanz bleibt flach. Das ist kein Medienproblem und kein Parteiproblem. Es ist ein Strukturproblem.
Das Friedrich-Merz-Horoskop zeigt von Beginn an eine harte, verdichtete Konstellation: Sonne, Merkur und Saturn im Skorpion. Das ist keine freundliche Signatur. Skorpion steht für Kontrolle, Durchsetzung, Ernst und strategische Tiefe. Menschen mit dieser Betonung kommen nicht über Charme, sondern über Substanz. Sie führen über Machtlogik, nicht über Beziehungspflege. Das funktioniert in Zeiten klarer Fronten. Es funktioniert schlecht in einer politischen Landschaft, die auf Ausgleich, Beruhigung und Anschlussfähigkeit konditioniert wurde.
Hinzu kommt eine zweite, spannungsgeladene Ebene: Mond und Mars in der Waage. Hier sitzt das Bedürfnis nach Anerkennung, Akzeptanz und Wirkung nach außen. Waage will gemocht werden, will Zustimmung, will soziale Resonanz. Doch Waage-Energie verträgt sich schlecht mit der Härte des Skorpions. Das Ergebnis ist ein innerer Konflikt zwischen Machtanspruch und Beliebtheitswunsch. Man will durchsetzen und zugleich nicht verlieren. Man will führen und gleichzeitig akzeptiert werden.
Diese Spannung prägt Merz’ Auftreten. Er wirkt entschlossen, aber gereizt. Klar, aber selten verbindend. Seine Aussagen sind zugespitzt, doch sie tragen kaum emotional. Das liegt nicht an mangelnder Intelligenz oder Erfahrung, sondern an einer Konstellation, die Kontrolle priorisiert, wo Beziehung gefragt wäre.
Besonders deutlich wird das im historischen Vergleich. Merz kehrt in eine CDU zurück, die unter Angela Merkel bewusst entleert, entideologisiert und auf maximale Konfliktvermeidung getrimmt wurde. Krebs statt Skorpion, Beruhigung statt Zuspitzung. Das System, in das Merz zurückkehrt, ist nicht mehr das, für das sein Horoskop gebaut ist.
Damit beginnt das eigentliche Drama dieses Porträts: Friedrich Merz ist kein falscher Mann. Aber er tritt in eine Zeit ein, die seine Art von Macht nicht mehr belohnt. Und genau das macht seinen politischen Weg so widersprüchlich – und astrologisch so eindeutig.
Friedrich Merz – Politischer und beruflicher Werdegang (Überblick)
Geboren: 11. November 1955 in Brilon (NRW)
Familienstand: verheiratet, drei Kinder
Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften, 2. Staatsexamen
1989 – Wahl in das Europäische Parlament
1994 – Einzug in den Deutschen Bundestag (CDU)
1998–2000 – Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
2000–2002 – Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
2002 – Machtverlust im innerparteilichen Konflikt mit Angela Merkel
2004–2009 – Weiteres Bundestagsmandat, zunehmender Rückzug aus der Politik
2009 – Ausscheiden aus dem Bundestag
2009–2018 – Tätigkeit in Wirtschaft und Finanzwelt
u. a. als Rechtsanwalt, Berater und Aufsichtsratsmitglied, später Aufsichtsratsvorsitzender von BlackRock Deutschland
2018 – Rückkehrversuch in die Politik, Kandidatur für den CDU-Vorsitz (Niederlage)
2021 – Erneute Kandidatur für den CDU-Vorsitz (erneute Niederlage)
2021 – Rückkehr in den Deutschen Bundestag
2022 – Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden
2022–heute – Vorsitzender der CDU und der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Politische Schwerpunkte:
Wirtschafts- und Finanzpolitik, Haushaltsdisziplin, innere Sicherheit, transatlantische Beziehungen
2. Skorpion-Kern und Machtanspruch
Um das Friedrich-Merz-Horoskop zu verstehen, muss man den Skorpion-Kern ernst nehmen. Sonne, Merkur und Saturn im Skorpion bilden kein Beiwerk, sondern das tragende Gerüst. Skorpion ist kein Zeichen des Ausgleichs, sondern der Kontrolle. Es geht um Macht, Zugriff, Durchsetzung und das Wissen um verborgene Kräfteverhältnisse. Menschen mit dieser Betonung denken nicht in Stimmungen, sondern in Hebeln.
Die Konjunktion von Sonne und Saturn im Skorpion verleiht Merz eine innere Härte, die weder spontan noch gefällig ist. Verantwortung wird hier nicht als Rolle gespielt, sondern als Last getragen. Das erzeugt Ernst, Disziplin und Durchhaltevermögen, aber auch eine gewisse Schwere. Führung wirkt dann nicht einladend, sondern fordernd. Wer folgt, tut dies aus Respekt vor Struktur, nicht aus Sympathie.
Merkur im Skorpion verstärkt diesen Eindruck. Kommunikation dient hier nicht der Verbindung, sondern der Positionierung. Aussagen sind strategisch, oft zugespitzt, selten weich. Das erklärt, warum Merz rhetorisch klar, aber emotional wenig anschlussfähig wirkt. Seine Worte zielen auf Kontrolle der Deutung, nicht auf das Einsammeln von Zustimmung.
Hinzu kommt eine der markantesten Konstellationen seines Horoskops: Jupiter in enger Konjunktion mit Pluto im Löwen. Das ist der große Machtanspruch. Löwe will Bühne, Wirkung, Bedeutung. Jupiter vergrößert, Pluto intensiviert. Zusammen entsteht das Selbstbild, für Größeres bestimmt zu sein. Diese Konstellation trägt das Gefühl, eigentlich an die Spitze zu gehören, nicht als Eitelkeit, sondern als innere Gewissheit.
Genau hier liegt jedoch das strukturelle Problem. Jupiter–Pluto im Löwen verlangt Resonanz, Anerkennung und eine Bühne, die bereit ist, Größe zu akzeptieren. In einer politischen Kultur, die seit Jahren auf Entdramatisierung, Nivellierung und Konfliktvermeidung trainiert wurde, wirkt dieser Anspruch überdimensioniert. Die Bühne ist kleiner geworden, während der Anspruch gleich blieb.
Das erklärt, warum Merz oft wie jemand wirkt, der um eine Autorität ringt, die ihm innerlich selbstverständlich erscheint, äußerlich jedoch nicht mehr automatisch zugestanden wird. Skorpion will Macht bündeln, Löwe will sie sichtbar machen. Doch das Umfeld honoriert weder das eine noch das andere in der Form, die dieses Horoskop erwartet.
Kapitel 2 zeigt damit den Kern des Problems: Friedrich Merz trägt eine Machtstruktur in sich, die auf Ernst, Kontrolle und Bedeutung ausgelegt ist. Doch die Zeit, in der genau diese Qualitäten selbstverständlich gefragt waren, liegt bereits hinter ihm.
3. Saturn, Ausdauer und der Primat des Machterhalts
Im Friedrich-Merz-Horoskop ist Saturn kein Randfaktor, sondern ein tragendes Element. Die enge Verbindung von Sonne und Saturn im Skorpion beschreibt eine Persönlichkeit, die Macht nicht spielerisch sucht, sondern als Langzeitprojekt begreift. Geduld, Zähigkeit und die Fähigkeit, über Jahre hinweg auszuhalten, gehören zu dieser Signatur. Merz ist keiner, der impulsiv scheitert. Er ist einer, der wartet. Und wartet. Und wartet.
Sechzehn Jahre politisches Abstellgleis nach der Demontage durch Angela Merkel sind aus dieser Perspektive keine biografische Absurdität, sondern eine logische Konsequenz. Skorpion-Saturn zieht sich nicht zurück, um loszulassen, sondern um zu überleben. Die Kränkung wird nicht verarbeitet, sie wird konserviert. Ziel ist nicht Ausgleich, sondern Rückkehr. Und zwar an die Spitze.
Diese saturnische Ausdauer erklärt auch, warum Merz oft unterschätzt wird. Wer ihn für unflexibel hält, übersieht seine eigentliche Stärke: strategische Kälte. Merkur im Skorpion denkt nicht laut, sondern taktisch. Entscheidungen werden nicht moralisch, sondern funktional bewertet. Was dem Machterhalt dient, wird integriert. Was ihm schadet, wird fallengelassen.
Hier wird auch seine auffälligste politische Volte verständlich. Im Wahlkampf präsentierte sich Merz als Garant fiskalischer Strenge, als Anwalt eines stringenten Sparkurses, als Gegenpol zur schuldenfreundlichen Politik der letzten Jahre. Kaum war die Machtoption real, schnürte er das größte Schuldenpaket der deutschen Geschichte. Für viele Beobachter wirkte das wie ein Wortbruch. Astrologisch betrachtet ist es etwas anderes: eine klassische Saturn-Skorpion-Entscheidung.
Saturn im Skorpion kennt keine ideologische Treue, sondern nur Prioritäten. Und die oberste Priorität lautet Machterhalt. Inhalte sind variabel, Positionen austauschbar, wenn sie dem größeren Ziel dienen. Das macht Merz zu einem zähen, gefährlichen Taktiker, aber zu keinem verlässlichen Träger klarer politischer Linien. Prinzipien existieren, solange sie funktionieren. Danach werden sie geopfert.
Genau hier liegt die Ambivalenz dieser Persönlichkeit. An Geduld und Durchhaltevermögen mangelt es ihm nicht. Auch nicht an strategischer Intelligenz. Was fehlt, ist die Bereitschaft, Macht mit einem langfristigen inhaltlichen Narrativ zu verbinden. Saturn hält durch. Skorpion sichert ab. Doch beides ersetzt keine Vision.
Damit fügt sich dieses Kapitel nahtlos in das Gesamtbild: Friedrich Merz ist ein Mann mit enormer Zähigkeit, großer taktischer Kälte und ausgeprägtem Machtinstinkt. Er hat gelernt zu warten. Er hat gelernt zu taktieren. Ob er in einer veränderten politischen Landschaft mehr sein kann als ein reiner Machterhalter, bleibt jedoch offen.
4. Taktik statt Linie: Die Wende als Symptom
Die Kehrtwende vom angekündigten Sparkurs hin zum größten Schuldenpaket der jüngeren deutschen Geschichte ist mehr als ein „Kommunikationsfehler“ oder ein Moment politischer Opportunität. Im Kontext des Friedrich-Merz-Horoskops wirkt sie wie ein Symptom, das einen Grundmechanismus sichtbar macht: Merz ist kein Politiker, der über eine innere Erzählung führt, sondern einer, der über Lagebeurteilung und Zugriff führt. Linie entsteht bei ihm nicht aus einem Weltbild, sondern aus einem Ziel. Und das Ziel ist in der Regel: Macht sichern, Handlungsfähigkeit herstellen, Gegner neutralisieren.
Skorpion-Betonung (Sonne, Merkur, Saturn) steht für strategisches Denken, für Kontrolle, für das Gespür, wo Macht sitzt und wie man sie verschiebt. Es geht um Wirkung durch Zugriff, nicht um Zustimmung durch Charme. Das führt zu einem Politikstil, der selten „warm“ wirkt, aber effektiv sein kann: Verhandeln als Machttechnik, nicht als Kompromisskultur. In dieser Logik sind Positionen nicht heilig. Sie sind Werkzeuge. Man benutzt sie, solange sie den Zweck erfüllen.
Genau deshalb war der Sparkurs im Wahlkampf ein funktionales Versprechen. Er bediente ein erwartbares Bedürfnis: Ordnung, Disziplin, „endlich wieder Haushaltsvernunft“. Sobald sich das Feld veränderte und andere Prioritäten schwerer wogen (Koalitionsarithmetik, wirtschaftliche Lage, internationale Krisen, Handlungsdruck), wurde dieses Versprechen nicht „vergessen“, sondern neu gewichtet. Saturn im Skorpion handelt dann nicht idealistisch, sondern hierarchisch: Was ist jetzt notwendig, um Kontrolle zu behalten? Was muss geopfert werden, um die Lage zu stabilisieren? Der Preis dafür ist ein Glaubwürdigkeitsverlust. Der Nutzen ist strategische Beweglichkeit.
Diese Mechanik erklärt auch, warum solche Wendungen bei Merz nicht wie pragmatische Anpassung wirken, sondern wie ein Bruch. Weil sie nicht in eine erkennbare Erzählung eingebettet sind. Merkel konnte Richtungswechsel oft als „Notwendigkeit“ verkaufen, weil ihr gesamter Stil auf Beruhigung und Alternativlosigkeit gebaut war. Merz hingegen wird an einem anderen Maßstab gemessen: Er tritt als Klarheitsfigur an, als Mann der Ordnung und der Konsequenz. Je stärker er „Prinzip“ ins Schaufenster stellt, desto härter fällt jede Abweichung davon zurück auf ihn.
Mond und Mars in der Waage
Hier kommt der zweite wichtige Faktor hinzu: Mond und Mars in der Waage. Waage braucht Zustimmung, Anerkennung, soziale Resonanz. Mars in der Waage kämpft nicht frontal, sondern taktisch, über Positionierung, über Deutung, über das Austarieren von Mehrheiten. Das begünstigt einen Stil, der im Hintergrund sehr kampffähig ist, aber nach außen wechselhaft erscheinen kann. Man will durchsetzen, aber auch akzeptiert werden. Man will Härte zeigen, aber nicht als Härte gelten. Das erzeugt genau jene Spannung, die man in seiner öffentlichen Wirkung spürt: Entschlossenheit mit einem Unterton von Gereiztheit, Klartext mit der Neigung zur Korrektur, Prinzipien mit situativer Elastizität.
Die Wende in der Finanzpolitik wird so zum Lehrstück: Merz ist bereit, ein großes Versprechen zu opfern, wenn es strategisch nötig ist. Nicht weil er keine Prinzipien hätte, sondern weil sein Horoskop Macht als übergeordnetes Organisationsprinzip setzt. Jupiter–Pluto im Löwen verstärkt zusätzlich den Drang, „große“ Entscheidungen zu treffen, Größe zu markieren, Handlungsstärke zu demonstrieren. Ein historisches Schuldenpaket ist in dieser Logik nicht nur ein Mittel, sondern auch ein Machtsignal: Wir können, wenn wir wollen.
Das Problem ist nur: In einer Zeit politischer Erosion werden große Signale ohne stabile Begründung nicht als Stärke wahrgenommen, sondern als Unzuverlässigkeit. Für viele Leser und Wähler wirkt das wie eine Entwertung von Politik insgesamt: erst Prinzip, dann Gegenteil. Astrologisch betrachtet ist es die Schattenseite eines Macht- und Kontrollhoroskops, das auf taktische Wirksamkeit optimiert ist, aber nicht automatisch auf langfristige inhaltliche Kohärenz.
So wird aus einer einzelnen Wende eine zentrale Aussage über den gesamten Merz-Stil: Wer Macht über Linie stellt, kann kurzfristig flexibel handeln. Er riskiert aber, langfristig genau das zu verlieren, was er braucht, um als Führung akzeptiert zu werden: Vertrauen.
Venus im Schützen: Markige Worte, taktische Korrektur
Ein auffälliges Merkmal von Friedrich Merz ist seine ambivalente Kommunikation. Er setzt pointierte, teils sehr markige Aussagen – nur um sie kurze Zeit später zu relativieren oder einzufangen. Dieses Muster wirkt nach außen widersprüchlich, ist astrologisch jedoch gut erklärbar.
Die Venus im Schützen steht für Prinzipienrhetorik, für den großen Bogen, für klare Ansagen mit moralischem Anspruch. Diese Stellung liebt es, Haltung zu zeigen, Freiheit zu betonen und Orientierung zu liefern. Aussagen entstehen hier weniger aus taktischer Vorsicht als aus dem Impuls, das „Richtige“ oder „Grundsätzliche“ zu benennen. Das erklärt, warum Merz sprachlich gern vorprescht und Linien zieht, die zunächst sehr eindeutig wirken.
Doch diese Venus arbeitet nicht isoliert. Nach der Setzung übernimmt der Skorpion-Kern mit Saturn-Beteiligung. Dann wird geprüft, was die Aussage tatsächlich kostet: Zustimmung, Macht, Koalitionsfähigkeit. Fällt die Rechnung ungünstig aus, folgt die Korrektur. Nicht aus Unsicherheit, sondern aus Prioritätensetzung. Der Rückzieher ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck eines Machtinstinkts, der Inhalte dem Machterhalt unterordnet.
Dieses Wechselspiel erzeugt die beobachtete Spannung: erst Prinzip, dann Kontrolle. Für das Publikum wirkt das wie Unentschlossenheit. Tatsächlich handelt es sich um sondierendes Kommunizieren. Merz testet Räume, setzt Signale, misst Widerstände und passt an. Das ist kein verbindender Stil, sondern ein instrumenteller.
Im Kontrast zur Merkel-Ära wird dieser Unterschied besonders sichtbar. Merkel formulierte vorsichtig und blieb dabei. Merz formuliert weit und korrigiert anschließend. Beides ist konsistent – nur nach unterschiedlichen Logiken. Die Venus im Schützen liefert den Impuls zur Klarheit, der Skorpion sorgt für die nachträgliche Disziplinierung. Genau daraus entsteht der Eindruck der Ambivalenz, der seinen öffentlichen Auftritt bis heute prägt.
5. Ausdauer ohne Integration
Im Friedrich-Merz-Horoskop ist Ausdauer kein Beiwerk, sondern Triebfeder. Sonne–Saturn im Skorpion steht für Zähigkeit, für das Aushalten von Kälte, für den langen Atem im Machtkampf. Wer so gebaut ist, verlässt das Spielfeld nicht, nur weil er hinausgedrängt wird. Er bleibt präsent, auch wenn er unsichtbar ist. Sechzehn Jahre politisches Warten sind hier kein Zufall, sondern Konsequenz. Aufgeben ist strukturell nicht vorgesehen.
Doch genau hier liegt der Kipppunkt. Ausdauer ersetzt keine Integration. Sie trägt durch Niederlagen, aber sie schafft keine Bindung. Skorpion-Saturn hält fest, sammelt, konserviert. Er verzeiht nicht, er vergisst nicht. Das erzeugt enorme Standfestigkeit, aber auch eine innere Fixierung auf das Ziel der Rückkehr. Die Umwelt verändert sich währenddessen weiter. Wer wartet, ohne sich mitzubewegen, kommt zwar an, aber nicht mehr dort, wo er ursprünglich hinwollte.
Bei Friedrich Merz zeigt sich genau dieses Muster. Seine Ausdauer ist beeindruckend, seine Verbissenheit funktional. Doch sie ist nicht gekoppelt an eine Neujustierung der Rolle. Er kehrt nicht als veränderter Akteur zurück, sondern als derselbe, der einst beiseitegeschoben wurde. Das Problem ist nicht mangelnde Anpassungsfähigkeit im taktischen Sinne. Die ist vorhanden, wie Kapitel 4 zeigt. Es fehlt die Bereitschaft zur inhaltlichen Integration in einen veränderten politischen Resonanzraum.
Mond und Mars in der Waage verstärken diesen Widerspruch. Da ist das Bedürfnis nach Anerkennung, nach sozialer Bestätigung, nach Zugehörigkeit. Gleichzeitig verhindert der Skorpion-Kern echte Annäherung. Man will akzeptiert werden, aber nicht nachgeben. Man sucht Zustimmung, ohne sich zu öffnen. Das erzeugt Distanz, auch wenn man physisch und rhetorisch präsent ist.
Ausdauer wird in solchen Konstellationen leicht überschätzt. Sie ist eine Voraussetzung, kein Ziel. Sie hält den Akteur im Spiel, entscheidet aber nicht über den Ausgang. In einer politischen Landschaft, die nach Jahren der Nivellierung wieder Orientierung sucht, reicht es nicht, länger zu warten als alle anderen. Es braucht ein Angebot, das mehr ist als Standfestigkeit. Ein Angebot, das integriert, nicht nur durchsetzt.
Kapitel 5 markiert damit die Grenze von Merz’ Stärke. Sein langer Atem hat ihn zurückgebracht. Ob er darüber hinauskommt, hängt nicht von weiterer Zähigkeit ab, sondern davon, ob er etwas anbietet, das über den reinen Machterhalt hinausweist.
6. Der richtige Mann für den falschen Moment
Am Ende fügt sich das Friedrich-Merz-Horoskop zu einem geschlossenen Bild, das weniger über Fähigkeiten als über Timing spricht. Merz ist kein Zufallsprodukt, kein politischer Leichtgewichtler und kein Getriebener. Er ist strukturell ernsthaft, zäh, machtbewusst und taktisch versiert. Doch genau diese Qualitäten treffen auf einen politischen Moment, der anders funktioniert als jener, für den dieses Profil ursprünglich gebaut war.
Skorpion mit starker Saturn-Betonung ist prädestiniert für Phasen klarer Machtachsen, für Zeiten der Zuspitzung, der Entscheidung, der Frontstellung. Autorität entsteht dort durch Härte, Konsequenz und die Bereitschaft, Konflikte auszutragen. Die Merkel-Jahre haben dieses Terrain jedoch systematisch eingeebnet. Politik wurde entdramatisiert, Konflikte wurden moderiert, Unterschiede nivelliert. Das System lernte, Ruhe höher zu bewerten als Richtung.
Merz kehrt in dieses System zurück mit einem Instrumentarium, das aus einer anderen Epoche stammt. Seine Ausdauer bringt ihn wieder ins Zentrum. Seine Taktik sichert Positionen. Seine physische Präsenz erzeugt Autoritätsanmutung. Doch all das ersetzt keine Resonanz. Die Bühne ist kleiner geworden, das Publikum skeptischer, die Erwartung an Führung widersprüchlicher. Man will Klarheit, aber ohne Härte. Konsequenz, aber ohne Kosten. Merz bietet Härte und Konsequenz – und wirkt damit zugleich zu spät und zu viel.
Astrologisch ist das kein Scheitern, sondern eine Asynchronität. Jupiter–Pluto verlangt Größe, Saturn hält durch, Skorpion will Zugriff. Doch ohne ein integrierendes Narrativ bleibt Macht abstrakt. Sie wird gespürt, aber nicht geteilt. Sie imponiert, aber bindet nicht.
Damit endet dieses Porträt nicht mit einem Urteil, sondern mit einer Diagnose: Friedrich Merz ist ein Mann mit langem Atem und kurzer Gegenwart. Er kann warten, er kann taktieren, er kann Macht sichern. Ob er sie mit Sinn füllen kann, entscheidet nicht seine Zähigkeit, sondern die Frage, ob er bereit ist, mehr anzubieten als Kontrolle.
Ausdauer hat ihn zurückgebracht.
Der Moment entscheidet, ob er bleibt.
7. Erfolgsaussichten: Unbeliebt heißt nicht chancenlos
Beliebtheit ist kein verlässlicher Indikator für politische Durchsetzungskraft. Das zeigt der Blick in die deutsche Geschichte recht eindeutig. Friedrich Merz leidet unter niedrigen Sympathiewerten, wirkt sperrig, kantig, wenig anschlussfähig. Doch das allein entscheidet nichts. Olaf Scholz war nie populär und wurde dennoch Kanzler. Helmut Kohl war über weite Strecken eher respektiert als geliebt – und blieb trotzdem sechzehn Jahre im Amt.
Entscheidend ist nicht, ob jemand gefällt, sondern ob er in der Lage ist, Macht zu organisieren, Koalitionen zu stabilisieren und in Krisen handlungsfähig zu bleiben. Genau hier wird die Bewertung von Merz komplex. Seine geringe Beliebtheit ist kein Todesurteil, sondern Ausdruck eines Führungsstils, der nicht auf Nähe, sondern auf Autorität setzt. In angespannten Zeiten kann das funktionieren. Menschen erwarten dann weniger Charme als Richtung.
Gleichzeitig darf man die strukturellen Risiken nicht kleinreden. Merz fehlt die natürliche Bindungskraft, die selbst unpopuläre Kanzler wie Kohl über Parteiapparate, Landesverbände und persönliche Loyalitäten aufgebaut haben. Sein Rückhalt ist funktional, nicht emotional. Das trägt so lange, wie der Eindruck von Kontrolle und Handlungsfähigkeit besteht. Kippt dieser Eindruck, fehlt das Polster.
Astrologisch verstärkt sich dieses Spannungsfeld. Skorpion-Saturn trägt Verantwortung auch gegen Widerstände, aber er erzeugt keine Zuneigung. Jupiter–Pluto will Größe, doch ohne Resonanz wirkt Größe schnell wie Überdehnung. Merz kann führen, wenn äußere Umstände Führung erzwingen. Er tut sich schwer, Führung als Beziehung zu etablieren.
Realistisch betrachtet liegen seine Erfolgsaussichten daher in einem schmalen Korridor. In Phasen eskalierender Krisen, außenpolitischen Drucks und wirtschaftlicher Zumutungen kann seine Härte als Stärke gelesen werden. Beruhigt sich die Lage oder wächst das Bedürfnis nach sozialer Integration, wird genau dieselbe Härte zum Problem.
Das Fazit dieses Kapitels ist deshalb ambivalent: Friedrich Merz ist nicht chancenlos, nur weil er nicht beliebt ist. Aber er ist auch nicht abgesichert. Seine politische Zukunft hängt weniger von Umfragewerten ab als davon, ob die kommenden Jahre Führung verlangen – oder wieder Vermittlung.
Schlussartikel – Friedrich Merz als Symptom seiner Zeit
Am Ende bleibt vom Friedrich Merz Horoskop weniger die Frage nach Sympathie als nach Passung. Merz ist kein Zufallsakteur und kein politischer Leichtgewichtler, sondern das Produkt einer bestimmten Machtlogik. Sein Horoskop zeigt Ausdauer, Verbissenheit, strategische Kälte und einen ausgeprägten Willen zur Kontrolle. Das sind Qualitäten, die in Phasen klarer Fronten und harter Entscheidungen tragen können. Es sind aber auch Qualitäten, die wenig Raum für Bindung, Vertrauen und Integration lassen.
Merz steht damit exemplarisch für eine Übergangsfigur. Er kommt aus einer politischen Kultur, in der Autorität noch über Durchsetzung funktionierte, und agiert in einer Gegenwart, die Führung zwar wieder einfordert, ihr aber gleichzeitig misstraut. Die Jahre der Angela Merkel haben Politik entdramatisiert, Konflikte sediert und das System auf Stabilität getrimmt. In dieses Umfeld kehrt Merz mit einem Instrumentarium zurück, das auf Zuspitzung, Klarheit und Machtanspruch setzt. Das erzeugt Reibung – und erklärt zugleich, warum er polarisiert, ohne zu begeistern.
Seine geringe Beliebtheit ist dabei kein Ausschlusskriterium. Deutsche Kanzler mussten nie geliebt werden, um wirksam zu sein. Entscheidend ist, ob es gelingt, Macht in schwierigen Zeiten zu organisieren. Und hier liegt die eigentliche Ambivalenz: Merz ist ein gewiefter Taktiker, bereit, Positionen zu opfern, Linien zu verschieben und Prinzipien neu zu gewichten, wenn es dem Machterhalt dient. Seine Wendungen sind kein Zeichen von Orientierungslosigkeit, sondern Ausdruck eines priorisierten Ziels. Macht zuerst, Inhalt danach.
Gleichzeitig zeigt das Friedrich Merz Horoskop auch die Grenze dieses Ansatzes. Ausdauer bringt einen zurück ins Spiel, aber sie ersetzt kein Narrativ. Kontrolle stabilisiert kurzfristig, schafft aber keine Bindung. Die Venus im Schützen erklärt die großen Worte, der Skorpion die schnellen Korrekturen. Beides zusammen erzeugt einen Führungsstil, der handlungsfähig ist, aber Vertrauen kostet. In einer Zeit tiefgreifender struktureller Probleme wird das Land Entscheidungen spüren, die wehtun. Ein Führungsstil wie zu Merkels Zeiten ist nicht mehr möglich. Doch ein reiner Machtstil reicht ebenfalls nicht aus.
So bleibt Friedrich Merz eine Wette gegen die Zeit. Er könnte sich als notwendiger Zumuter erweisen, wenn die Lage eskaliert und Führung wieder als Durchsetzung verstanden wird. Er könnte aber ebenso schnell an Resonanzverlust scheitern, wenn sich das Bedürfnis nach Integration und Orientierung verstärkt. Astrologisch ist beides angelegt.
Dieses Porträt ist daher kein Urteil, sondern eine Einordnung. Merz ist weder Retter noch Randfigur. Er ist der Ausdruck einer politischen Phase, in der Macht wieder offen verhandelt wird – ohne Garantie, dass sie dauerhaft akzeptiert wird. Ob er bleibt, hängt weniger von Umfragen ab als davon, ob es ihm gelingt, Kontrolle mit Sinn zu verbinden. Ohne diesen Schritt bleibt er das, was sein Horoskop nahelegt: ein Mann mit langem Atem, großer Zähigkeit – und einem permanenten Kampf gegen den Moment.







